Rheinzeitung Neuwied, 18.02.2009
Auch Neuwied sagt ja!
Aktion „Save me" startete in Neuwied -Stadt und Landkreis sagen ,,ja" zur Neuansiedlung - Zahlreiche Organisationen unterstützen die Aktion
Flüchtlingen an einem sicheren Ort einen Neuanfang zu ermöglichen: Das ist Sinn und Zweck der Aktion „Save me“. Auch Neuwieder Bürger beteiligen sich daran.
NEUWIED. Sind Bürger im „satten“ Mitteleuropa bereit, sich für verarmte Flüchtlinge zu engagieren, sind sie bereit, die Aktion „Save me“ zu unterstützen? Ja, sagen Menschen in Neuwied. Annelore Macke ist eine von ihnen. „Ich mache mit, weil es um Menschen geht, die seit vielen Jahren in Lagern leben, sich kümmerlich und mühselig von einem Tag zum nächsten durchbringen müssen und keine Chance haben, selbst ihre Situation zu ändern. Uns Christen müssen Liebe und Erbarmung wichtiger sein als Projekte die Wohlleben steigern“, betont die 69-jährige Drogistin.
Sie legen Hunderte von Kilometern zu Fuß zurück oder gefährden ihr Leben, weil sie versuchen, in kleinen Booten über das Meer nach Europa zu gelangen. 40 Millionen Menschen, so schätzt das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR), sind weltweit auf der Flucht vor Hunger, Krieg oder Verfolgung. Die meisten von ihnen schaffen es nicht, ihre Heimatregion zu verlassen, verbringen Jahre in überfüllten Flüchtlingslagern ohne Perspektive auf Rückkehr oder einen Neuanfang.
Die Aktion „Save me“, die jetzt auch in Neuwied begonnen hat, versucht diese Situation zu ändern. Sie macht sich für die Neuansiedlung von Flüchtlingen in sicheren Ländern stark. Ziel des sogenannten „Resettlements“ ist es, Schutzbedürftigen eine Zukunftsperspektive zu geben. Das Prinzip beruht auf persönlicher Verantwortung.
„Wir suchen in der Stadt und dem Landkreis 100 Menschen, die für einen Flüchtling eine Patenschaft übernehmen“, erläutert Renate Schäning vom Diakonischen Werk, das die Aktion koordiniert. Die Paten sollten bereit sein, den Flüchtlingen bei der Orientierung zu helfen. Dabei geht es zum Beispiel um das Ausfüllen von Formularen oder den Aufbau von Kontakten zu Personen gleicher Nationalität.
Finanziell müssen die Paten nichts leisten, sollten sich der politischen Tragweite ihrer Unterschrift aber bewusst sein: „Die Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik ist in den vergangen Jahren immer strikter geworden. Uns geht es daher auch darum, Druck auf die Landesregierung, den Bund und die Innenministerkonferenz auszuüben, damit sich das wieder ändert“, sagt Siegfried Pick.
Der Pfarrer kommt aus Bad Kreuznach, wo die Kampagne bereits seit Oktober 2008 läuft. „Wichtig ist, dass es sich bei den Menschen, um die es hier geht, um bereits vom UNHCR registrierte Flüchtlinge handelt“, betont er. Ihr Status ist gesichert. Sie erhalten eine Aufenthaltsgenehmigung und eine Arbeitserlaubnis für drei Jahre, die auf jeden Fall verlängert wird. Und sie können sicher sein, dass sie nicht in ihre Heimat zurück müssen – es sei denn, sie wollen es selbst. Noch einmal Pick: „Es wird nicht geprüft, ob die Rückkehr in das Herkunftsland zu einem späteren Zeitpunkt wieder möglich ist.“
„Save me“ wird in Neuwied unter anderem vom Arbeitskreis Asyl, Amnesty International Neuwied, der Ahmadiyya-Gemeinde, der Caritas, der Mennonitischen Brüdergemeinde (Ringstraße), dem Eine-Welt-Laden, dem Friedensdienst Eirene und dem ökumenischen Netz Rhein-Mosel-Saar unterstützt. Auch die Marktkirchengemeinde und die katholische Kirchengemeinde St. Matthias sehen die Aktion positiv: „Wenn ich all das Leid in den Fernsehnachrichten sehe, fühle ich mich oft ohnmächtig“, schilder Pfarrer Tilmann Raithelhuber seine Motive, die „Save me“ Liste zu unterzeichnen. „Es ist eine Bereicherung, etwas für andere zu tun, gerade wenn es sich dabei um Menschen handelt, die besonders schutzbedürftig sind“, sagt Annelore Macke vom Arbeitskreis Asyl.
Die ersten Flüchtlinge kommen vielleicht schon bald nach Neuwied: Im November 2008 haben die Innenminister der Europäischen Union beschlossen, 10 000 Kriegsflüchtlinge aus dem Irak aufzunehmen. 2500 Iraker kommen nach Deutschland, vier bis fünf von ihnen könnten im Kreis Neuwied eine neue Heimat finden (ank)
Quelle: Rheinzeitung Neuwied vom 18.2.2009

