Wort zum Sonntag v. Pfr. Pick - Kirchenseite, 09.05.2009
Wunderbar
Wunderbar
Es erscheint mir wie ein Wunder, wie die Natur sich verwandelt hat in den Tagen seit Ostern.Der Frühling kommt mit Macht und gestaltet alles neu.
Auf einmal ist es grün in der Natur, die Bäume tragen wieder Laub, das Gras wächst zusehends. Und der Weinstock hinterm Haus: Noch vor wenigen Tagen knorrig und kahl, hat er urplötzlich kräftige Triebe hervorgebracht, Blätter haben sich gebildet, die ersten Weinblüten sind zu sehen an den Rebschößlingen.
Man konnte dieses Jahr beim Wachsen fast zusehen, stellt der Agrarexperte fest; „Vegetationsschübe wie im Zeitraffer“ titelt er in dieser Zeitung. Nach dem langen und kalten Winter hat es die Natur eilig und bringt wahre Wunder hervor. Die Natur gibt uns ein anschauliches Bild davon, wie schnell sich Dinge entwickeln. Wie gut, dass Sonne und Regen im April das Wachsen unterstützt haben.
Es erscheint mir wie ein Wunder, dass die wenigen Menschen vom Arbeitskreis Asyl hier in Bad Kreuznach in einem halben Jahr mehr als 100 Menschen gefunden haben, die mitmachen bei der Aktion „Save me“. Die haben sich bereit erklärt, als Patinnnen und Paten neu ankommende Flüchtlinge hier in unserer Stadt und im Kreis willkommen zu heissen und ihnen beizustehen. Und sie fordern von unserer Regierung, dass Flüchtlinge aufenommen werden statt dass die Festungsmauern weiter hoch gezogen werden. Asyl ist nicht nur ein Recht in unserem Grundgesetz, durch die Initiative bildet sich in unserer Stadt eine Gemeinschaft, die Asyl zum Leben erweckt – so entsteht ein menschlicher Schutzraum für Flüchtlinge.
Asyl wird zu einer lebendigen Gemeinde, die hilft, Menschen zu retten – vor dem Ertrinken im Mittelmeer oder vor dem Verdursten in den Weiten der Sahara.
„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“, so lautet der Bibelspruch aus Psalm 98 für diesen Sonntag und die vor uns liegende Woche. Es tut uns gut, wenn wir Gott danken für das, was wächst und gedeiht. Danken für das, was gelingt, was wir anpacken, wo wir uns mühen und gestalten. Vielleicht denken wir auch darüber nach, ob wir es geschafft haben oder ob das, was geschieht, nicht doch von Gottes Hand geschaffen ist.
„Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand“, singt Matthias Claudius. Ja, es tut gut, Gott ein Lied zu singen, ihm zu danken für alles, was schön ist und uns glücklich macht an diesem Sonntag im Kirchenjahr, der uns zum Singen auffordert.
Siegfried Pick
Pfarrer für Ausländerarbeit
Kirchenkreis An Nahe und Glan


